Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Tipps

Chiropraktik und Orthopädie

Die Berufsstände der Orthopädie und Chiropraktik haben neben diversen Unterschieden und Eigenheiten eine fundamentale Gemeinsamkeit: Beide beschäftigen sich mit der Diagnostik und Behandlung von Beschwerdebildern des Bewegungsapparates. Sowohl Chiropraktoren als auch Orthopäden nehmen hier die Rolle des medizinischen Erstversorgers ein. Sie sind berechtigt und gefordert, eine eigenständige Untersuchung durchzuführen, eine Diagnose zu stellen und eine entsprechende Therapie zu veranlassen oder durchzuführen.

Chiropraktik und Orthopädie – die Unterschiede

Aufgrund der sehr nahen medizinischen Arbeitsgebiete gibt es sowohl bei der Untersuchung, als auch bei der Behandlung einige Überschneidungen in der Arbeitsweise von Chiropraktoren und Orthopäden. Es gibt aber auch deutliche Unterschiede und Spezialgebiete beider Professionen.

Die Orthopädie befasst sich klassischer Weise mit strukturellen Erkrankungen des Bewegungsapparates. Beispielsweise Arthrosen, Bänderrissen, Entzündungen, Knochenbrüchen etc. Für die entsprechende Diagnostik werden häufig bildgebende Verfahren zur Hilfe gezogen, wie etwa MRTs oder Röntgenbilder. Die Therapie richtet sich natürlich nach der entsprechenden Problematik und Diagnose. Fundamentale orthopädische Behandlungsansätze bestehen aus medikamentöser Behandlung, Injektionen, medizintechnischer Verfahren wie Stoßwellentherapie oder Ultraschall, sowie operativer Versorgung. Einige Orthopäden bieten auch manuelle Behandlungsansätze an, wie Manipulationstechniken oder Triggerpunktbehandlung. Diese werden von Orthopäden im Anschluss an die Kernstudienzeit durch Kurse erlernt.

Die Chiropraktik befasst sich klassischer Weise mit funktionellen Beschwerdebildern des Bewegungsapparates. Beispielsweise Gelenkblockaden, Muskelverspannungen, Nervenreizungen etc. Für die Diagnostik werden primär funktionale Parameter wie Beweglichkeit, Kraft, Motorkontrolle, Haltung und Reizungstests verwendet. Fundamentale chiropraktische Behandlungsansätze bestehen aus Manipulations- und Mobilisierungstechniken der Gelenke, myofaszialen Lockerungstechniken, neurale Mobilisation etc. Der manuelle Behandlungsansatz ist fest verankerter Teil des Studiums. Entsprechende Therapieansätze haben also viel Zeit um gelehrt und erlernt zu werden.

Ich habe Schmerzen – an wen soll ich mich nun wenden?

Die Antwort ist sicherlich nach obiger Ausführung nicht überraschend: Es kommt ganz auf ihr Problem an!  Um dies genauer zu beleuchten, begutachten wir zwei klassische Beispiele.

Beispiel 1: Sie leiden seit längerem unter Rückenschmerzen, die sich mit der Zeit aufgebaut haben und Sie mal mehr mal weniger stark belasten. Hier sollten Sie zuerst einen Chiropraktor aufsuchen. Wieso? Die meisten Rückenbeschwerden sind biomechanischer Natur. Sprich, es treten Reizungen auf, weil Strukturen blockiert, verklebt, verkrampft sind, oder die Stabilität und Motorkontrolle nicht ausreichend ist. Wie oben beschrieben, sind diese funktionellen Problematiken genau das, worauf sich der Chiropraktor in Untersuchung und Behandlung spezialisiert hat.

Beispiel 2: Sie haben sich das Knie verdreht und können seitdem ihr Bein nicht mehr richtig belasten. Dies wäre eine klassische Präsentation für einen Orthopäden. Wieso? Gerade nach einem Trauma (Sturz oder Unfall) ist es oft ratsam, eine strukturelle Diagnostik durchzuführen um eine Schädigung von Knochen, Sehnen, Muskeln oder Bändern auszuschließen bzw. zu beurteilen. Hierfür ist der Orthopäde der Spezialist, welcher nach entsprechender Diagnose die bestmögliche Behandlung veranlasst oder durchführt.

Viele Beschwerdebilder sind nicht „schwarz und weiß“

Trotz der Definition von klaren Spezialgebieten, ist der Übergang bei vielen Beschwerdebildern fließend. In der „echten Welt“ lassen sich Probleme häufig nicht als ausschließlich „strukturell“ oder „funktional“ kategorisieren. Im Gegenteil: Die meisten Probleme sind Mischbilder, denen sowohl eine strukturelle, als auch eine funktionale Komponente zu Grunde liegt.

Deutlich wird dies häufig bei der Behandlung von sehr typischen Erkrankungen wie einem Bandscheibenvorfall oder einer Kalkschulter. Beide Professionen können hier durch ihre entsprechende Expertise einen wichtigen Teil zur Heilung beitragen.

Es ist nicht erforderlich, dass Sie sich den Kopf zerbrechen, ob Sie mit ihrem Problem nun zum Orthopäden oder zum Chiropraktor gehen sollten. Vielmehr sollte es die Aufgabe ihres ausgewählten Fachmannes sein, ihnen nach der Anamnese eine ehrliche Einschätzung zu geben, wo Sie am besten aufgehoben sind.

Im Sinne dieses sogenannten interdisziplinären Behandlungsansatzes, kann sichergestellt werden, dass Sie die bestmögliche medizinische Versorgung erhalten. Grundvoraussetzung dafür ist aber natürlich, dass die entsprechenden Professionen sich samt ihrer Spezialgebiete respektieren und wertschätzen. Leider sind die gegenseitigen Vorbehalte in beiden Professionen noch oft relativ groß.