Wiedereinstieg im Sport nach der Pause

Unser Reha- und Athletiktrainer in der Braunschweige Zeitung

Vom Sportwissenschaftlicher zum C-Promi! Unser Reha- und Athletiktrainer Tim Stucki ist in der heutigen Ausgabe der Braunschweiger Zeitung abgedruckt. Thema ist der sichere Wiedereinstieg in den Sport nach nun längerer Pause. In unserem Blog möchten wir den ganzen, ungekürzten Text zum Thema vorstellen. Die entsprechenden Artikel der Braunschweiger Zeitung sind auf folgenden Links einzusehen:

Planen trotz Ungewissheit

Die Rückkehr zum geregelten Wettkampfsport ist nicht absehbar und die Ungewissheit macht die Planung schwierig. Man sollte dennoch versuchen sich auf das wahrscheinlichste Szenario für die jeweilige Sportart einzustellen und eine grobe Planung vornehmen, auch wenn man diese im weiteren Verlauf anpassen muss. Eine Möglichkeit kann es sein, abwechselnd mehrwöchiges Training mit kürzeren freien Phasen abzuwechseln. Dadurch nutzt man die Vorteile von regelmäßigem sportartnahem Training und schafft eine Grundlage, aus der ein Einstieg in Kontakttraining und Spiele leicht möglich ist, ohne große körperliche oder mentale Ermüdung zu provozieren.

Spaß am Training mit dem Ball

Nach Pause ist die Freude auf das Wiedersehen mit den Mannschaftskameraden groß, was gleichzeitig wieder mehr Normalität bedeutet. Trotz des Abstands sollte das Ziel sein, das soziale Mannschaftsgefüge wiederherzustellen, die Kommunikation innerhalb der Mannschaft zu fördern und Grüppchenbildungen so gut es geht entgegenzuwirken. Unabhängig von der Sportart sollte die Gewöhnung an sportspezifische Bewegungen und Techniken Vorrang haben und mit Spaß vermittelt werden.

Risiken minimieren

Bei Nico Schulz und Dan-Axel Zagadou von Borussia Dortmund ist es passiert: Trainingsverletzungen mit mehrwöchiger Ausfallzeit trotz „Training auf Abstand“. Da außerhalb der Bundesligen der Wettspielbetrieb im Fußball voraussichtlich noch mehrere Wochen oder Monate ruhen wird, besteht keine Notwendigkeit die Trainingsbelastung von „0 auf 100“ zu steigern. Das Risiko übersteigt in diesem Fall den Ertrag. Die Herangehensweise sollte darauf basieren, kein unnötiges Risiko einzugehen, Belastbarkeit aufzubauen, Gewöhnung an die Sportart herzustellen und an Defiziten zu arbeiten. Jede Verletzung ist in der aktuellen Phase eine zu viel.

Auf den Charakter der Sportart vorbereiten

Das fehlende Training in den letzten Wochen geht mit einem Rückgang der sportartbezogenen Belastbarkeit einher, sodass die Toleranz für Trainingsbelastungen geringer ist. Es wäre unklug dort fortzusetzten, wo man vor der Pause aufgehört hat. Vielmehr sollte sich Zeit genommen werden, um auf Richtungswechsel, Sprünge, Landungen, Schüsse und Sprints vorzubereiten. Das kann beispielsweise über Steigerungsläufe, Dribblingparcours oder leichte Hürdensprüngen zu Beginn angebahnt werden. Im weiteren Verlauf sollten die Belastungen dann progressiv gesteigert werden.

Durch gezieltes Aufwärmen Schwachstellen ausgleichen & optimal auf das Training vorbereiten

Mit dem Wegfallen von Spielformen durch das Kontaktverbot bleibt mehr Zeit für andere Inhalte übrig. Eine sinnvolle Möglichkeit besteht darin, mehr Zeit mit dem „Aufwärmen“ zu verbringen, um an Defiziten zu arbeiten. Dabei geht es weniger darum sich die 20. Variante im Lauf ABC auszudenken, sondern fokussiert Übungen zur Beweglichkeit, Stabilität oder Kräftigung einfließen zu lassen.  Das 11+ Programm von der FIFA ist an dieser Stelle zu empfehlen, weil es einerseits nachweislich Verletzungen vorbeugt und andererseits trotz der Abstandregularien fast vollständig übernommen werden kann.

Kommunikation zwischen Trainern und Sportlern

Die einfachste Möglichkeit, um eine gute „Trainingsdosis“ zum Start zu finden: Mit einander sprechen! Wie anstrengend wurde das Training empfunden? Wie war die körperliche Reaktion nach dem letzten Training? Welche Auswirkungen hat die aktuelle private und berufliche Situation auf die Verfassung? Einfache Fragen geben wertvolle Rückmeldung und kosten nichts. Gleichzeitig fühlt sich der Spieler in Entscheidungen einbezogen und berücksichtigt. Eine Win-Win Situation.

Individualität berücksichtigen

Obwohl bei Teamsportarten immer Unterschiede zwischen Sportlern bestehen, wird durch das fehlende Mannschaftstraining die Schere zwischen fitten und unfitten Spielern größer sein, als man es gewohnt ist. Private, soziale oder schulische/ berufliche Veränderungen der vergangenen Wochen beeinflussen, ob mehr oder weniger Zeit für Sport war.  Die Gefahr besteht, unfitte Spieler bei einem straffen Wiedereinstieg zu überfordern und einem erhöhten Verletzungsrisiko auszusetzen. Daher ist eine aufmerksame Beobachtung aus Sicht des Trainers notwendig, um bei Bedarf Veränderung vorzunehmen. Eine Möglichkeit besteht darin, Kleingruppen basierend auf der körperlichen Verfassung zu bilden. Eine gute Selbstreflexion und ein ehrlicher Austausch sind dabei unverzichtbar.

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